Solarpflicht 2026: Warum sichere Höhenzugangstechnik bei der PV-Montage jetzt entscheidend ist
Die Solarpflicht 2026 weitet sich auf Bestandsgebäude aus – und bringt eine Welle an Dachmontagen mit sich. Wer Photovoltaikanlagen professionell und gesetzeskonform installiert, kommt an einer entscheidenden Frage nicht vorbei: Welche Höhenzugangstechnik ist die richtige – und was schreibt der Gesetzgeber vor?
Warum die Solarpflicht 2026 die Nachfrage nach Zugangstechnik treibt
Ab 2026 gilt in Nordrhein-Westfalen und weiteren Bundesländern: Wer sein Dach vollständig neu eindeckt, muss gleichzeitig eine Photovoltaikanlage installieren. Mindestgröße in NRW: 30 Prozent der geeigneten Dachfläche, bei Ein- und Zweifamilienhäusern ausreichend ab 3 kWp. Was bisher hauptsächlich Neubauten betraf, greift nun auch auf den Bestand über.
Das Ergebnis: Solarteure, Dachdecker und Handwerksbetriebe verzeichnen eine stark steigende Auftragslage. Damit steigt auch der Bedarf an professioneller Höhenzugangstechnik – denn jede Dachmontage beginnt mit einer zentralen Sicherheitsfrage: Wie komme ich sicher ans Dach?
Risiken bei der PV-Montage auf dem Dach
Die Montage von Solaranlagen auf Steildächern zählt zu den unfallträchtigsten Tätigkeiten im Handwerk. Absturz ist das größte Risiko – und gleichzeitig das am häufigsten unterschätzte. Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) sowie die BG BAU haben die Anforderungen daher klar geregelt:
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Kollektivschutz hat Vorrang vor individuellem Schutz (PSA gegen Absturz)
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Anlegeleitern sind bei der Montage grundsätzlich verboten – eine Ausnahme gilt nur als Verkehrsweg bis max. 5 m Höhenunterschied und ausschließlich für kurzzeitige Tätigkeiten
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Eine Gefährdungsbeurteilung ist Pflicht, bevor mit der Arbeit begonnen wird
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Temporäre Seitenschutzsysteme nach DIN EN 13374 (Klassen A, B, C) gelten als anerkannte Schutzmaßnahme
2024 veröffentlichte die BG BAU einen eigenen Leitfaden: „Gerüstbau bei der Installation von PV-Anlagen" – ein klares Signal, dass die Branche professionelle Zugangslösungen nicht länger ignorieren darf.
Höhenzugangstechnik im Vergleich: Welche Lösung für welche Baustelle?
Nicht jede Baustelle ist gleich. Die Wahl der richtigen Zugangstechnik hängt von Dachtyp, Untergrund, Projektgröße und Zeitdruck ab.
Gerüst – der Klassiker für Steildächer
Für Steildächer ab ca. 20° Neigung ist das Gerüst die sicherste und am häufigsten vorgeschriebene Lösung. Es bietet einen stabilen Arbeitsplatz auf der gesamten Länge des Daches, ermöglicht das sichere Ablegen von Modulen und Werkzeug und schützt gleichzeitig den Bereich darunter. Flexibel anpassbare Systeme erlauben heute auch den schnellen Aufbau bei komplexen Dachgeometrien.
Vorteile: Maximale Sicherheit, großer Arbeitsraum, Materialablage möglich, für alle Dachgrößen geeignet.
Nachteile: Aufbauzeit 2–8 Stunden, Mietkosten ca. 10–20 € pro m², Platzbedarf auf dem Grundstück.
Arbeitsbühnen und Hebebühnen – flexibel und schnell
Für Flachdächer, niedrige Gebäude oder Einzelstellen ist die Arbeitsbühne oft die effizientere Alternative. Elektrische Gelenkteleskopbühnen ermöglichen emissionsfreies Arbeiten direkt am Dach, ohne aufwendigen Gerüstaufbau. Besonders bei Wartung, Reinigung oder der Montage einzelner Module sind LKW-Arbeitsbühnen und Anhängerbühnen zeitsparende Lösungen.
Vorteile: Kein Aufbau, sofort einsatzbereit, flexibel positionierbar, ideal für Einzelstellen.
Nachteile: Begrenzte Reichweite je nach Modell, Mietkosten höher als Gerüst, benötigt tragfähigen Untergrund.
Raupenarbeitsbühnen für schwieriges Gelände
Wenn der Untergrund uneben ist oder das Fahrzeug das Gebäude nicht direkt erreichen kann, kommen Raupenarbeitsbühnen zum Einsatz. Sie bieten maximale Geländegängigkeit bei gleichzeitig geringem Bodendruck – ideal für Bestandsliegenschaften mit eingeschränkten Zufahrtswegen.
Vorteile: Geländegängig, geringer Bodendruck, kein befestigter Untergrund nötig.
Nachteile: Höhere Mietkosten, langsamer in der Fortbewegung als radbasierte Bühnen.
PSA gegen Absturz – wann sie erlaubt ist
Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (Sicherheitsgurt und Anschlagpunkt) ist kein Ersatz für Kollektivschutz, kann aber in begründeten Ausnahmefällen ergänzend eingesetzt werden – etwa wenn ein Gerüst aufgrund der Dachgeometrie technisch nicht realisierbar ist. In solchen Fällen müssen geeignete Anschlagpunkte bauseits vorhanden oder nachgerüstet sein.
Gerüst mieten oder kaufen – was lohnt sich für Solarteure?
Für Solarteure, die regelmäßig PV-Anlagen montieren, stellt sich die Frage: Gerüst mieten oder kaufen?
Mieten lohnt sich für Betriebe mit wechselnden Projekten und unterschiedlichen Dachgrößen. Die Kosten sind kalkulierbar, Lagerung und Wartung entfallen. Mietpreise beginnen ab ca. 10 € pro m² Gerüstfläche.
Kaufen lohnt sich für Betriebe mit hohem Auftragsvolumen und ähnlichen Projekten. Ein eigenes Gerüstsystem amortisiert sich ab ca. 15–20 Einsätzen. Dafür entstehen Kosten für Lagerung, Transport und regelmäßige Prüfpflichten nach DGUV.
Gesetzliche Anforderungen: Was Solarteure und Dachdecker wissen müssen
Die wichtigsten Regelwerke:
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BGHM Arbeitsschutz-Kompakt 069 – Montage von Solar- und Photovoltaikanlagen auf Dächern
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BG BAU Leitfaden 2024 – Gerüstbau bei der Installation von PV-Anlagen
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DIN EN 13374 – Temporäre Seitenschutzsysteme, Klassen A bis C
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DGUV Regel 101-004 – Gerüstbauarbeiten
Kernpunkte: Der Zugang zum Dach muss sicher gestaltet sein – bevorzugt durch das Gebäude (Treppenhaus, Dachausstieg). Wo das nicht möglich ist, sind Treppentürme, Aufzüge oder Treppenaufstiege im Gerüst vorgeschrieben. Die Gefährdungsbeurteilung dokumentiert die gewählte Lösung und ist im Streitfall entscheidend.
Kosten der Höhenzugangstechnik im Überblick
| Lösung | Mietkosten (ca.) | Aufbauzeit | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Fassadengerüst | 10–20 € / m² | 2–8 Std. | Steildach, große Anlagen |
| Anhängerbühne | 100–250 € / Tag | sofort | Flachdach, Einzelstellen |
| LKW-Arbeitsbühne | 250–600 € / Tag | 15 Min. | Schnelle Einzeleinsätze |
| Raupenarbeitsbühne | 300–700 € / Tag | 15 Min. | Schwieriges Gelände |
Die Gesamtkosten der Zugangstechnik machen in der Regel 5–15 % der Installationskosten einer PV-Anlage aus – eine überschaubare Investition in Sicherheit und Effizienz.
Fazit: Professionelle Zugangstechnik spart Zeit und schützt Leben
Die Solarpflicht 2026 ist kein bürokratisches Detail – sie verändert das Auftragsvolumen im Handwerk spürbar. Wer als Solarteur oder Dachdecker wettbewerbsfähig bleiben will, braucht verlässliche Zugangslösungen: sicher, effizient und gesetzeskonform.
Ob Gerüst, Hebebühne, Arbeitsbühne oder Raupenplattform – die richtige Höhenzugangstechnik ist kein Kostenfaktor, sondern ein Wettbewerbsvorteil.
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FAQ – Häufige Fragen zur Höhenzugangstechnik bei der PV-Montage
Ist ein Gerüst bei der Photovoltaik-Montage Pflicht?
Nicht gesetzlich vorgeschrieben als einzige Lösung, aber die sicherste Option für Steildächer. Die BGHM und BG BAU fordern eine Gefährdungsbeurteilung und geeigneten Kollektivschutz – in der Praxis führt das auf Steildächern fast immer zum Gerüst.
Was kostet ein Gerüst für eine PV-Anlage?
Die Mietkosten liegen bei ca. 10–20 € pro m² Gerüstfläche, zzgl. Auf- und Abbau. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus kommen Gesamtkosten von 500–2.000 € zusammen, abhängig von Dachgröße und Mietdauer.
Kann man eine Solaranlage ohne Gerüst installieren?
Ja, wenn geeignete Alternativen eingesetzt werden: Arbeitsbühne, Seilsicherungssystem oder Raupenarbeitsbühne. Voraussetzung ist immer eine dokumentierte Gefährdungsbeurteilung.
Was ist bei Flachdächern anders?
Auf Flachdächern ist die Absturzgefahr weniger ausgeprägt, aber ein Seitenschutz an der Dachkante bleibt Pflicht. Arbeitsbühnen und Scherenbühnen sind hier die bevorzugte Zugangslösung – kein Gerüst nötig.
Wer trägt die Verantwortung für die Zugangssicherheit auf der Baustelle?
Der ausführende Betrieb ist für die Gefährdungsbeurteilung und die Umsetzung geeigneter Schutzmaßnahmen verantwortlich. Bei Fremdvergabe liegt die Koordinationspflicht beim Auftraggeber (Bauherrenpflicht nach BaustellV).
Was gilt ab 2026 bei der Solarpflicht?
In NRW und weiteren Bundesländern müssen ab 2026 Bestandsgebäude bei vollständiger Dacherneuerung eine PV-Anlage mit mindestens 30 % der geeigneten Dachfläche installieren. Ausnahmen gelten bei technischer oder wirtschaftlicher Unzumutbarkeit.
Welche Zertifikate brauchen Höhenarbeiter bei der PV-Montage?
Für PSA-Einsatz: Ausbildung nach DGUV Regel 112-198/199. Für Arbeitsbühnen: Betreibernachweis nach DGUV Grundsatz 308-008. Industriekletterer benötigen FISAT Level 1 oder IRATA Level 1 als Mindestqualifikation.